Kirche in Waldenburg
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Die historische Lutherkirche

Historisch

Pfarrhaus historisch



Die Lutherkirche

Gott sagt: Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. (Jesaja 65, 19)

So stand es am 10. März, dem Tag des Kirchweihfestes 2024, im Herrnhuter Losungsbuch.

Wir begehen das 200jährige Jubiläum der Lutherkirche in einer Zeit, ın der die Stimme des Weinens und des Klagens unseren Alltag ın einem Maß durchdringt, wıe wir es schon lange nicht mehr kannten. In jeder Nachrichtensendung wird uns das Leid vor Augen geführt, dass die Kriege in der Ukraine und in Israel verursacht haben. Wir sehen Bilder von unfassbarer</p> <p>Grausamkeit und Zerstörung. Wir sind zutiefst beunruhigt fragen uns, auf welche schliımmen Entwicklungen wır uns womöglich gefasst machen müssen.</p> <p>Umso kostbarer ist es, dass wir mit unserer Kirche einen Ort haben, wo wir unsere Sorgen und Klagen aussprechen können; wo auch Raum ist für die Stimme des Weinens; wo wir zur Ruhe kommen und unsere Gedanken sortieren können. Dafür ist die Kirche gebaut worden: dass Menschen sich hier einfinden können mit allem, was sie auf dem Herzen haben; dass sie ablegen können, was ihnen zu schwer ist; dass sıe ihren Blick dorthin wenden können, wo Hoffnung und Trost zu finden sind. Je unsicherer die Zeiten sind, umso dringender brauchen wir diesen geschützten Raum, wo wır von Gott</p> <p>erwartet werden. Und wir können ihm keine größere Freude machen als die, dass wir kommen, seine Nähe suchen und bei ıhm unser Herz ausschütten.</p> <p><img src="/ style="margin: 9px; float: left;">
Als unsere Vorfahren sich vor reichlich 200 Jahren mit dem Gedanken trugen, die alte Kırche in Waldenburg‘s Altstadt abzureißen und eine neue und größere zu bauen, werden sie sehr genau gewusst haben, dass sie viel Kraft und vor allem viel Glauben brauchen werden, um das Vorhaben zu verwirklichen. In einer erstaunlich kurzen Bauzeit haben sie es geschafft, eın beeindruckendes Gotteshaus mit einer klangschönen Orgel zu errichten. Sie waren getragen

 

von der Hoffnung, dass dieses Haus viele Menschen anziehen und einladen wird. Und diese Hoffnung ist in Erfüllung gegangen. Menschen haben hier Trost und Zuspruch gefunden; haben Entlastung erfahren und sind gesegnet worden.

Die äußere Gestalt des Kirchenbaus hat nach evangelischem Verständnis vor allem dienende Funktion. Die schlanken Säulen lenken den Blick nach oben. Im Blickfeld über dem Altar sind Brot und Wein abgebildet — Vorgeschmack auf das Festmahl in Gottes neuer Welt, zu dem wir jetzt schon eingeladen sind. Und wir sehen die aufgeschlagene Bibel, die uns die Wegbeschreibung zum Himmel liefert, damit wir uns nicht verlaufen.

Wenn wir ın diesem Jahr das besondere Jubiläum der Lutherkirche begehen, schauen wır zugleich zurück und nach vorn, und wır machen uns bewusst, dass wır Teil einer großen Geschichte sind — Teil der Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen.

1824 wurde der Neubau kurz vor Weihnachten, am 4. Advent, eingeweiht. Und bis heute ıst dıe Kirche dıe Heimstatt einer lebendigen bunten Gemeinde, wo sehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die gemeinsam hören und beten, singen und feiern, Freude und Tränen miteinander teılen.

Gott sagt: Ich will mich freuen über mein Volk, und er freut sich immer, wenn sein Volk seine Nähe sucht und seinen Segen erbittet.

Kirche neu (Klein)
Der Blick nach vorn wirft Fragen auf, die wir heute nicht beantworten können. Wie die Welt aussehen wird, wenn das 250Jährige Jubiläum der Lutherkirche ansteht — also ım Jahr 2074 - vermögen wır uns nicht vorzustellen. Wird die Kirche nur noch als Museum dienen — oder wird sie gerade wieder von besonders vielen Menschen aufgesucht, weil sıe spüren, dass sie dort Antworten bekommen, die sonst nirgends zu finden sind?

Werden wir noch mit Münzen und Geldscheinen bezahlen, oder nur noch elektronisch — oder gar nicht mehr? Werden wir noch Getreide anbauen, oder wird unsere Ernährung auf ganz neuen Grundlagen stehen?

Wir wissen nicht, wıe dıe Geschichte nach uns weitergeht. Wie wissen auch nicht, wie lange die Geschichte nach uns weitergeht.

Aber das eine ist gewıss: Wır sind Teil einer großen Geschichte. Es ıst Gottes Geschichte. Und weıl wir es mit einem freundlichen Gott zu tun haben, wird unsere Geschichte am Ende gut ausgehen.

Gott sagt: Ich wıll mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Pfarrer Ulrich Becker  ım Februar 2024